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Gendern ist keine Option. Es ist Kommunikation. Warum gendergerechte Sprache kein Trend ist – und wie man es richtig macht.

von Jennifer Christof

Sprache formt Realität. Was nicht benannt wird, existiert in der Wahrnehmung der Leser:innen schlicht nicht. Gendergerechtes Schreiben ist deshalb keine politische Geste, sondern handwerkliche Präzision.

 

Warum Gendern in Texten unverzichtbar ist

Das generische Maskulinum – also Formulierungen wie „der Mitarbeiter“ oder „die Kunden“ – wurde lange als neutral betrachtet. Linguistische Forschung zeigt jedoch eindeutig: Wenn Menschen „die Ärzte“ lesen, visualisieren sie überwiegend Männer. Frauen, nicht-binäre Personen und alle anderen fühlen sich schlicht nicht angesprochen oder noch schlimmer: unsichtbar.

 

Für PR-Kommunikation ist das ein ernstes Problem. Texte, die Teile der Zielgruppe strukturell ausblenden, verfehlen ihr Ziel. Punkt.

 

 „Kommunikation, die einen Teil ihrer Zielgruppe sprachlich ausblendet, hat ihre wichtigste Aufgabe bereits verfehlt – noch bevor die eigentliche Botschaft ankommt.“ Jennifer Christof

Jennifer Christof
© Helge Kirchberger

Es führt kein Weg daran vorbei – aus drei Gründen

1. Reichweite. Wer nur einen Teil seiner Zielgruppe anspricht, verschenkt Aufmerksamkeit. Gendergerechte Texte wirken inklusiver, werden häufiger geteilt und erzielen messbar höhere Identifikation bei gemischten Zielgruppen.

 

2. Glaubwürdigkeit. Marken, die Diversity kommunizieren aber exklusiv formulieren, wirken unglaubwürdig. Sprache und Haltung müssen übereinstimmen, sonst spricht man von Washing.

 

3. Rechtlicher Druck. Öffentliche Institutionen, immer mehr Unternehmen und auch Vergaberichtlinien verlangen explizit gendergerechte Kommunikation. Wer das ignoriert, schließt sich aus Ausschreibungen und Kooperationen aus.


Wie man richtig gendert.

Es gibt nicht die eine richtige Methode, aber es gibt klare Empfehlungen, abhängig vom Kontext:

 

GENDER-STERNCHEN *

Mitarbeiter*innen

Weitverbreitet, inklusiv auch für nicht-binäre Personen. Oft empfohlen für digitale Kommunikation.

NEUTRALE FORMEN

Das Team, die Person, alle

Elegante Alternative ohne Sonderzeichen. Nicht immer möglich, aber oft eine einfache Lösung.

DOPPELPUNKT :

Mitarbeiter:innen

Weniger Barrieren: Screenreader können Doppelpunkte besser verarbeiten als Sternchen oder Unterstriche.

DIREKTE ANSPRACHE

Sie erhalten…

Wirkt persönlich und vermeidet das Problem ganz. Ideal für Werbetexte und Newsletter.

UNTERSTRICH _

Mitarbeiter_innen

Markiert die „Lücke“ zwischen den binären Polen. Häufig in aktivistischen Kontexten.

 

PAARFORMEN

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Klassisch, eindeutig, barrierefrei, aber ausschließlich binär und platzschwer.


Was man tun sollte – und was nicht.

EMPFOHLEN

·       Konsistente Methode im Text

·       Neutrale Begriffe bevorzugen

·       Barrierefreiheit im Blick behalten

·       Stil mit Zielgruppe abgleichen

·       Interne Styleguides definieren

ZU VERMEIDEN

·       Methoden mischen im Text

·       Gendern als Alibi-Aktion

·       Lesbarkeit unnötig opfern

·       Sprache & Haltung entkoppeln

·       Es dem Zufall überlassen


Der wichtigste Grundsatz

Gendergerechte Sprache ist dann gut, wenn sie nicht auffällt, weil sie natürlich gewählt ist, nicht aufgezwungen wirkt. Das gelingt durch konsequente Anwendung, gute Vorbereitung und – ja – Übung. Die häufigste Ausrede lautet: „Das liest sich so holprig.“ Meistens ist das ein Gewöhnungseffekt. Texte, die seit Jahrzehnten nur eine Bevölkerungshälfte ansprechen, fühlen sich eben vertrauter an.

 

Vertrautheit ist kein Argument für Ausgrenzung.

Sprache ist das wichtigste Werkzeug in der PR. Wer es ungeschliffen lässt, liefert halbe Arbeit. Gendergerechtes Schreiben ist keine ideologische Pflicht, es ist professioneller Standard. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie.